Der Großinquisitor

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Ein Kapitel aus Dostojewskis Werk Die Brüder Karamasow, seinem letzten vollendeten Roman, bevor ihn ein Blutsturz endgültig daran hinderte noch mehr Bücher zu verfassen.
Typisch romantisch wird hier eine Geschichte in der Geschichte erzählt oder mit anderen Worten: Iwan Karamasow erzählt in einem Gasthaus seinem kleinen Bruder Aljoscha über eine von ihm verfasste Dichtung.
In dieser schnuckeligen Ausgabe wird eine spannende, im mittelalterlichen Spanien stattfindende Geschichte erzählt, in welcher der grundsätzlich ziemlich fanatisch religiöse Dostojewski starke Kritik an der Inquisition und der Kirche als Institution übt.
Aufgrund der großen Schrift sehr angenehm zu lesen und durchzogen von aufregenden Sätzen wie:

„Na ja, es geht auch hier nicht ohne Vorrede ab, das heißt ohne eine literarische Vorrede, hol‘s der Teufel!“
oder
„Du bist vielleicht selbst Freimaurer!“

spielt sich hier gleichzeitig nicht nur ein dunkles Inquisitionsdrama, sondern auch ein russischer Geschwisterzwist ab.
Bekanntlich lässt sich nach wie vor wunderbar darüber diskutieren und streiten, worum es bei Dostojewski eigentlich geht - die Handlung, die dahinterstehenden Ideen, zeitgenössische Philosophien, Kritik an der Gesellschaft, Psychologie, Religiosität, Moral, seine bewusste Verwendung der Sprache, das alles zusammen oder um überhaupt keines dieser Themen.
Aber allein die Tatsache, dass dieses Kapitel als das einzige aus den Brüdern Karamasow als eigenständige Publikation erschienen ist, ist ein Kennzeichen dafür, dass es sich um ein bemerkenswertes Kapitel handeln muss.