Karl Brandstätter, Graphisches Werk 1965-1990

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In stickigheißen Augustnächten, wenn die Feuchtbiotope im Tal unten Moorgase ausatmen, huschen Irrlichter den Flusslauf entlang, wandeln die Toten auf den steinalten keltischen Totenwegen. Kein Lebender dürfte dort gehen, munkeln die alten Leute.
Das ist das Kärnten Karl Brandstätters, wie es in der Einleitung dieses Buches beschrieben wird.

In diesem Kärnten wurde Karl Brandstätter 1946 geboren und dorthin kehrte er Jahre später wieder zurück, nach 10 Jahren Leben in Frankreich und mehreren Aufenthalten in verschiedenen Teil der Welt. Dieses Buch zeigt das graphische Werk Karl Brandstätters, das zwischen 1965 und 1990 entstanden ist.

Die Drucke zeigen aufbrechende Landschaften, aus denen menschliche Figuren hervorquellen und menschliche Figuren, aus deren aufgebrochenen Leibern Landschaften entwachsen. Auf den Bildern sind natürliche Landschaften sowie Stadtbilder von Paris, New York und anderen Städten zu sehen. Die menschlichen Figuren sind weitgehend weibliche Akte. Die Akte sind als Konturen angedeutet, sie sind nicht gegenständlich greifbar, sondern eine momentane Komposition verschiedener Elemente. Karl Brandstätters Bilder zeigen keine Geburt des Menschen aus der Natur oder der von ihm geformten Natur; zu sehen ist ein Ineinanderübergehen: Der Mensch als Teil der Welt, in der er lebt und die Welt als ein Teil des Menschens. Beide Bildelemente sind als verschiedene Komponenten zu identifizeren, beide haben eine ähnliche Ausdrucksform. Farb- und Formgebung gehen ineinander über. Die Landschaft trägt Züge des Menschlichen und der Mensch trägt die Züge der Landschaft. Die denkbaren Widersprüche zwischen dem Rationalen und dem Natürlichen sucht man vergebens. Auch wenn die abgebildeten graphischen Werke Ausdruck einer Unterscheidung sind, ist eine menschlich bewohnbare Welt zu sehen.

Das Buch enthält rund 250 Werke als Farb- und Schwarz-Weiß-Abbildungen. Der einleitende Text wurde Bertram Karl Steiner verfasst.